![Reisen ist für mich genauso schön wie anstrengend, denn ich möchte in der irgendwie immer zu knappen Zeit so viel wie möglich von jedem Land sehen und mich von seinen Schönheiten und Eigenarten beeindrucken lassen […] Jede Reise, egal in welches Land, ist ein einmaliges Erlebnis, dass Spuren in mir hinterlässt. Aus Die Ländersammlerin von Nina Sedano](https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/none/path/s78a7300660883d2a/image/ib966571cd640bf6b/version/1670886773/image.png)
Langzeitreisen sind so viel: wunderbar, spannend, bereichernd, faszinierend, unglaublich. Sie können aber auch echt anstrengend sein. Anstrengend, insbesondere, wenn man so viel Neugier auf vieles hat und zwischendurch auch noch den Kontinent und Kulturkreis wechselt und sich in kurzer Zeit auf viel Neues einstellen muss.
Gibt man im neuen Land Trinkgeld? Wie verhält man sich in konfliktreicheren Situationen? Wie bedankt und verabschiedet man sich? Worauf muss man achten, was sollte man lieber lassen? Und was möchte man eigentlich alles sehen? Welches Essen schmeckt mir, welches nicht? Und wo wird man die nächsten Nächte schlafen?
Und weil Langzeitreisen, zumindest bei mir bzw. uns, nicht daraus bestehen, mehrere Wochen am Strand zu liegen, gönnten wir uns in Thailand einen „Urlaub vom Urlaub“, um mal richtig die Seele baumeln zu lassen.
Seele baumeln lassen in Thailand also. Und das geht wirklich gut! Wir haben Thailand als ein sehr angenehmes Reiseland kennen gelernt. Die Menschen in der Tourismusbranche sprechen gutes Englisch, sodass man sich gut verständigen kann, die Hygienestandards des Essens sind auch für unsere westlichen Mägen gut verträglich und die Preise unschlagbar günstig. Wir hatten nicht das Gefühl, anders als in Kambodscha zum Beispiel, dass wir uns mit viel zu hohen Preisen für Tourist*innen herumschlagen mussten. Ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz mit Bussen und Bahnen und Busfahrer*innen, die einen so angenehmen Fahrstil haben und aufs Hupen verzichten, dass man sogar im Bus schlafen kann.
Und somit war unsere Zeit in Thailand wirklich sehr entspannt und eine gute Möglichkeit, Kraft für neue Abenteuer zu schöpfen.
Natürlich lagen wir nicht nur in der Hängematte, sondern haben auch wahnsinnig wunderschöne Dinge erlebt, von denen dieser Artikel und der der nächsten Woche handeln werden. Thailand hat nämlich so viel tolles zu bieten!
Leider, und das möchte ich vorweg schicken, ist es uns in Thailand schwer gefallen, mit den Menschen in Kontakt zu kommen… Das liegt natürlich vorrangig daran, dass wir kein einziges Wort Thailändisch sprechen. Und mir ist es unglaublich schwer gefallen, mir einfache Worte wie Hallo und Danke zu merken und die Worte dann, wenn sie mir im richtigen Moment mal eingefallen sind, anzuwenden. Thailändisch ist nämlich eine Sprache, in der es fünf verschiedene Tonhöhen gibt und je nach dem, wie man das Wort ausspricht, verändert sich die Bedeutung. Das hat uns irgendwie total eingeschüchtert. Zum anderen wimmelt es in Thailand von westlichen Tourist*innen und Auswanderern, was verständlicherweise dazu führt, dass man als westliche Touristin keine „Sehenswürdigkeit“ mehr ist, anders als in einigen Gebieten Kambodschas oder auch, wie wir es 2017 erlebt haben, in Indonesien und Vietnam. Vollkommen verständlich, klar, aber die Situationen, in denen man nach einem Bild gefragt wird oder einem auf der Straße zugewunken wird, führen immer zu schönen zwischenmenschlichen Beziehungen, die uns in Thailand weniger begegnet sind. Das hat auch dazu geführt, dass ich leider nicht so viel gelernt habe, wie in einigen anderen Ländern, zum Beispiel über das Schulwesen in Thailand.
Nach Kambodscha führte uns unsere Reise in den Norden Thailands, eine Region, die für ihre zahlreichen Tempel bekannt ist. Chiang Mai, die Hauptstadt der Region, ist die zweitgrößte Stadt Thailands, wirkt durch einen Innenstadtkern jedoch deutlich kleiner und kompakter als Bangkok. Dort leben viele ausgewanderte Westler und sogenannte digital nomads, häufig Menschen in unserem Alter, die ihre Berufe von dort ausüben können. Es gibt zahlreiches westliches Essen und viele vegane und vegetarische Restaurants. In Chiang Mai hielt es uns für drei Tage und wir besuchten wunderschöne Tempel und genossen, endlich wieder Pizza essen zu können.
Schnell zog es uns aber wieder in die Natur und weiter in den Norden Thailands, nach Pai. Einst sicher mal ein Geheimtip, würde ich es heute nicht mehr als solchen bezeichnen, was die Schönheit Pais jedoch nicht mindert. Der Weg dorthin führt über eine Straße mit über 700 Kurven, die Cédric und ich auf unserem kleinen Moped plus Gepäck aber gut meisterten. Als wir vom Regen überrascht wurden, durften wir uns bei einer thailändischen Familie unterstellen, mit der wir uns mir Händen, Füßen und Google translator unterhalten und viel lachen konnten.
In Pai angekommen verlängerten wir unsere Zeit dort von geplanten drei Nächten auf acht Nächte. Wir erkundeten das Umfeld mit dem Roller und sahen zum ersten Mal Wasserbüffel von ganz nah. Wir gingen wandern, aßen mal wieder Pizza und sogar Falafel (ich wusste gar nicht, wie sehr mir Falafel gefehlt hatten) und probierten das für den Norden typische Gericht Khao Soi, ein gelbes Curry mit Gemüse und gekochte und frittierten Nudeln. Besonders schön war das Örtchen Pai nachts, da vom Lichterfest noch die Lampions hingen und ein wunderschönes Bild abgaben. In Pai lernten wir auch einige andere Reisende kennen und es war total schön, den Geschichten und Erlebnissen der anderen zu lauschen…
In Pai schliefen wir in einer wunderschönen Unterkunft, in einer traditionellen aus Bambus gebauten Hütte mit – passend zum Thema Seele baumeln lassen – Hängematte.
Das kurioseste, was wir in Pai gesehen haben, war definitiv das Chinese village. Es handelt sich hierbei um eine einem chinesischen Dorf nachempfundene Kulisse, die den Menschen das Leben in China nahe bringen soll oder den zahlreichen Tourist*innen aus China (momentan natürlich wegen der Covidbeschränkungen nicht) eine Freude machen soll, das haben wir nicht herausgefunden. Man fühlt sich auf alle Fälle wie in einem kleinen chinesischen Disneyland und kann sogar Kleider leihen, um sich von einem professionellen Fotografen vor der Kulisse fotografieren zu lassen. Die Aussicht am nahe liegenden Aussichtspunkt ist dafür wirklich spektakulär, natürlich mit grünem Tee aus China.
































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